Ferrari SF90 Stradale Assetto Fiorano
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Ferrari SF90 Stradale Assetto Fiorano – Reinste Freude

Der Ferrari SF90 Stradale Assetto Fiorano mit seinen 1000 System-PS wurde für die Rennstrecke nachgeschärft. Wir fuhren den Hybrid-Ferrari an seinem Geburtsort.

Veröffentlicht am 22.11.2021

Mit dem SF90 Stradale hat Ferrari bereits 2019 ein Denkmal zum 90. Geburtstag der Scuderia Ferrari gesetzt – ganz dem Zeitgeist entsprechend mit Plug-in-Hybrid. Er ist von den Fahrleistungen her ein Hypercar. Und mit einem Preis von unter einer halben Million Franken und ohne Stückzahllimitierung, weckt er bei Sammlern den Wunsch, ein besonderes Modell zu besitzen. Erst recht mit dem Sportpaket «Assetto Fiorano» für 56 875 und der Sonderlackierung für weitere 29 130 Franken. Zur grossen Überraschung der Marketingstrategen verkauft sich das Assetto Fiorano besser als erwartet. Das, obwohl Ferrari betont, es sei weniger für den Alltagseinsatz geeignet als das Basismodell, weil zu hart, zu kompromisslos und für den Einsatz auf der Rennstrecke ausgelegt.

Ordentlich Power für den Ferrari SF90 Stradale Assetto Fiorano

Der 780 PS starke V8-Turbo bleibt die treibende Antriebskraft. Dazu gesellen sich ein am Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe – ohne Rückwärtsgang – angeflanschter E-Motor sowie zwei weitere
E-Motoren an der Vorderachse. Zusammen liefern sie 163 kW oder 220 PS, was rund 1000 System-PS ergibt. Die elektrische Reichweite beträgt 25 Kilometer.

Noch etwas böser

Optisch unterscheidet sich die Sonderversion durch zusätzliche Aerodynamik-Teile und einen karbonfarbigen Heckspoiler. Der gefällt übrigens Chefdesigner Flavio Manzoni überhaupt nicht. Den Aerodynamikern aber schon, denn bei 200 km/h erzeugt er 390 Kilogramm zusätzlichen Abtrieb. Im Innenraum sind mehr Karbonteile und weniger Dämmmaterialien verbaut. Der Titanauspuff ist auf noch geringeren Innenwiderstand ausgelegt und brüllt lauter. Und ohne Rücksicht auf die Bandscheiben ist das nicht mehr verstellbare Fahrwerk auf fabelhafte Rundenzeiten ausgelegt. Dessen Titanfedern und Fahrwerkskomponenten liefern bekannte Zulieferer aus dem Rennsport. Die Liste liesse sich beliebig erweitern. So werden einige Kilos eingespart. Wie viele genau, sagt Ferrari aber nicht. 

Ab in die Vollen

Egal, wir drücken den Startknopf, das linke Manettino – es beherbergt die Modi eDrive, Hybrid, Performance, Qualify – stellen wir auf Leistung, das rechte – Wet, Sport, Race, Traktionskontrolle aus, alles aus – auf Rennbetrieb. Klang und Schub sind aus einer anderen Galaxie. Nach zwei Runden auf dem drei Kilometer langen Circuit von Fiorano habe ich mich mit Brems-, Einlenk- und Scheitelpunkten angefreundet und gehe in die Vollen. Schweissnasse Hände? Fehlanzeige. Das Feedback von Gas, Bremse und Lenkung ist trotz allgegenwärtiger Regelelektronik und Drive-by-Wire exzellent. Sehr schnell hat man das Gefühl, in jedem Abschnitt genau das Richtige zu tun. Denkste! Testfahrer Raffaele de Simone attestiert mir meine Schwachpunkte: «Du machst nach den Kurven die Lenkung zu spät auf und biegst zu langsam auf die Gerade ein.» Hart, aber herzlich – und nützlich. Weiter geht’s. Die angetriebenen Vorderräder und das Torque-Vectoring-System reissen mich präzise aus der Kurve. Die E-Motoren stopfen allfällige Leistungslöcher, die mein zögerliches Gas- und Stromgeben verursachen. Ein paar Runden später im Qualify-Modus wird klar, dass nicht ich so professionell und mit horrenden Kurventempi über die Piste wetze. Vielmehr ist es die nahezu perfekte Technik die mich vorantreibt und mir meine Fehler verzeiht.

Etwas zu perfekt?

Exakt das ist der Punkt, der über Faszination oder Ablehnung entscheidet. Die Technik – mit oder ohne Assetto Fiorano – ermöglicht Supercar-Fahrleistungen, ohne dass man das Können eines Amateurrennfahrers mitbringen muss. Es ist der Triumph über die Physik und die Unzulänglichkeiten des Menschen hinter dem Lenkrad. Das kann einen begeistern, muss es aber nicht.

Ein weiteres «aber» geht aufs Konto der knapp 1,8 Tonnen Leergewicht. Rund 200 Kilogramm wiegt allein die Elektrifizierung. Die Ferrari-Techniker sagen, sie hätten auch ohne Druck des Gesetzgebers eine Hybridlösung gewählt. Trotzdem würden wir gerne die drei E-Motoren und die sich hinter dem Fahrer breitmachende Batterie entfernen und die 780 Cavalli auf die nun leichtere Karosserie loslassen. Heisst Leistung ohne Filter. 

Fazit:

Der SF90 ist ein Hypercar ohne Hypercarallüren – kurz: die Idealbesetzung für schnelle Strassen und die Rennstrecke. Leider bleiben Emotion und Leidenschaft aufgrund der Elektrifizierung und des leichten Übergewichts etwas auf der Strecke – trotz des «bösen» Assetto Fiorano. 

Text: Stefan Fritschi
Fotos: Ferrari

Technische Daten

Modell: Ferrari SF90 PHEV Stradale Assetto Fiorano
Motor: 90°-V8-Biturbobenziner, Plug-in-Hybrid, 3990 cm3,
Leistung: 574 kW/780 PS,
Drehmoment: 800 Nm bei 6000/min,
Systemleistung: 730 kW/1000 PS,
Batterie: Lithium-Ionen,
Kapazität: 7,9 kWh
Antrieb: Hinterradantrieb, Vorderradantrieb elektrisch, Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe,
Verbrauch (WLTP): 7,4 l/100 km (WLTP)
Stromverbrauch: 9,3 kWh/100 km
elektrische Reichweite 25 km,
0–100 km/h: 2,5 s,
Höchstgeschwindigkeit: 340 km/h,
Abmessungen (L/B/H): 4710/1972/1186 mm
Leergewicht: 1820 kg,
Preis: ab 546 200 Franken

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