TCS und Joie

Kinder im Auto – So machen Sie es richtig

Ob mit dem Baby vom Spital nach Hause, mit der Grossfamilie in die Ferien oder im normalen Alltag. Irgendwann ist es bei fast allen Familien soweit und es stellt sich die Frage nach dem richtigen Kindersitz für das Auto. Mit dem Kauf ist es jedoch noch nicht getan. Das Sicherheitsrisiko steigt meist erst mit der Verwendung. Denn der sicherste Sitz ist wertlos, wenn er falsch genutzt wird. Misuse, also die fehlerhafte Bedienung von Kindersitzen ist allgegenwärtig. Claudia Jachowicz, Brand Manager Joie Schweiz und TCS-Experte Jürg Reinhard zeigen die häufigsten Fehler und ihre Einflussfaktoren (mit Video)

Veröffentlicht am 04.11.2020

In der Schweiz gibt es bereits Spitäler, die frischgebackene Eltern nicht Hause lassen, wenn keine Babyschale vorhanden ist. Und das ist auch richtig so – vorausgesetzt der Heimweg wird mit dem Auto und nicht mit dem ÖV angetreten. Doch, dass das Risiko erst mit der falschen Nutzung der Sitze steigt, ist kaum einem Elternteil bewusst. Und leider ist es so, dass praktisch alle Eltern ab und zu den ein oder anderen Fehler bei der Verwendung von Kindersitzen begehen.

Umso wichtiger ist die Aufklärung in diesem Bereich. Denn kleine Tipps und Tricks sowie das Bewusstsein für dieses Thema wirken Wunder und erhöhen die Sicherheit der Kleinen ungemein. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Kinder unfreiwillige Verkehrsteilnehmer sind.

Natürlich beginnen die Sicherheitsfaktoren bereits mit dem Kauf des richtigen Sitzes. Da dieses Thema allein einen Artikel füllen würde, gehen wir hier davon aus, dass Eltern bereits den richtigen Sitz in der richtigen Grösse und mit den nötigen Zertifikationen für ihr Kind gekauft haben.

 

Die richtige Installation ist der erste wichtige Schritt

Bevor die Fahrt losgeht, sollten sich Eltern in jedem Fall genug Zeit für die Installation des Sitzes nehmen. Womöglich wurden sie im Laden bereits gut beraten. Dennoch ist das Lesen der Gebrauchsanleitung ein Muss. Dort steht meist genau beschrieben, worauf man achten muss. Auch kleine Helfer wie Indikatoren und Markierungen an den Sitzen, zeigen ob beispielsweise die Isofix-Halterungen richtig eingerastet sind oder das Standbein den richtigen Winkel und somit genug Halt hat. Die Verständlichkeit dieser Gebrauchsanweisungen ist abhängig vom Hersteller und wird auch in den renommierten TCS-Tests streng bewertet. Sollten Eltern dennoch Fragen haben, können sie sich jederzeit an den Hersteller oder den Fachhändler wenden. Lieber einmal zu viel fragen als die Sicherheit des Kindes zu riskieren.

 

Keine Dicken Jacken im Kindersitz

Der vermutlich häufigste Fehler und nicht selten auf Unwissenheit oder Zeitmangel zurückzuführen, sind dicke Jacken, die Kinder während der Fahrt tragen. Eltern sollten vor der Fahrt – selbst wenn sie nur schnell zu den Grosseltern im Nachbardorf geht – unbedingt darauf achten, dass ihr Kind keine Jacke trägt. Aufgrund der Jacke entsteht Luft zwischen Gurt und Körper. Dadurch liegt der Gurt nicht satt am Körper an und kann im Falle eines Unfalls zu schlimmen Einschneidungen oder gar dem Herausschleudern des Kindes führen. Hierzu gibt es unzählige Videos mit Test-Dummies. Sehr gefährlich und ein unnötiges Risiko. Bitte also auch für sehr kurze Strecken die Jacke unbedingt ausziehen und stattdessen eine Decke über das angeschnallte Kind legen.

 

So lange wie möglich rückwärtsgerichtet

Viele Eltern denken, dass sie ihren Kindern einen Gefallen tun, indem sie sie frühzeitig vorwärtsgerichtet fahren lassen. So können sie endlich ihre Beinchen strecken und Mami oder Papi sehen. Was vielen jedoch nicht bewusst ist, ist dass sie sie dabei einem unnötigen Risiko aussetzen. Warum? Weil der Kopf des Kleinkindes ein Viertel seines gesamten Körpergewichtes ausmacht (bei Erwachsenen sind dies nur noch 8%). Wenn das Kind nun am ganzen Körper straff fixiert ist und nur der Kopf frei bleibt, wird dieser beim Aufprall stark nach vorne geschleudert und kann so die sensible und noch nicht vollständig entwickelte Nackenmuskulatur verletzen. Fährt das Kind aber rückwärtsgerichtet, wird der Kopf im Fall des Aufpralls in den Sitz gedrückt und ein grosser Teil der einwirkenden Kraft somit abgefedert. Die Verletzungen sind nicht vergleichbar und die Sicherheit um ein Vielfaches höher. Aus diesem Grund sollten Kinder so lange wie möglich (mindestens 15 Monate) rückwärtsgerichtet fahren.

 

Der Gurt muss straff anliegen

Jeder Elternteil kennt die Situation. Man schnallt das Kind an und das Kind fühlt sich unwohl, weil die Gurte zu straff sind. Ein kurzer Zweifel und ein Grossteil der Eltern lockert den Gurt ein wenig. Genau das ist der Fehler. Der Gurt muss unbedingt satt am Körper des Kindes anliegen. Es darf noch eine Handfläche eng drunter Platz haben, mehr aber nicht. Das Kind wird sich daran gewöhnen und wenn es nichts anderes kennt, ist es meist sowieso kein Problem. Ist der Gurt zu locker oder stimmt die Gurtführung bei Sitzen, die mit dem Fahrzeuggurt befestigt werden nicht, kann es zu schlimmen Verletzungen kommen. Beim Aufprall sind diese nicht mehr an der vom Hersteller vorgesehenen Position und verrutschen womöglich in den Halsbereich. Auch hier kann es dann zu schmerzhaften Einschneidungen kommen.

 

Die Kopfstütze regelmässig anpassen

Das Kind wächst und das Anpassen und richtige Positionieren der Kopfstütze wird oftmals vergessen. Oft ist diese dann viel zu tief platziert, sodass sie das Kind sogar ein Stück nach vorne drückt Auch das Gegenteil ist oft der Fall. Die Kopfstütze ist viel zu hoch und der Kopf des Kindes hat gar keinen Halt. Korrekt ist es, wenn sich der untere Teil der Kopfstütze leicht über den Schultern befindet und der obere Teil bündig mit dem Kopf des Kindes ist. Auch hier können sich Eltern jederzeit an den Hersteller oder Fachhandel wenden, um die korrekte Position der Kopfstütze bestätigen zu lassen.

 

Schönes Wetter erhöht Sicherheit bei Kindersitzen

Unglaublich, aber wahr. Das Wetter spielt bei der korrekten und sicheren Verwendung der Kindersitze tatsächlich eine entscheidende Rolle. Wenn es draussen regnet, sehr kalt ist oder auch sehr heiss, dann wollen Eltern ihre Kinder schnell in den Sitz setzen, angurten und möglichst schnell losfahren. Dass dabei Fehler passieren können, liegt auf der Hand. Also auch hier heisst es, warm anziehen, Regenschirm raus und ganz in Ruhe prüfen, dass die Kleinen korrekt in ihren Sitzen platziert und angeschnallt sind. Sicher ist sicher.

 

Zusammengefasst können Eltern vor allem folgende vier Punkte vor der Fahrt prüfen:

- Kleidung (keine dicken Jacken)

- Fahrtrichtung (so lange wie möglich rückwärtsgerichtet fahren lassen)

- Gurtführung (korrekt angeschnalltes Kind und Sitz)

- Kopfstütze (korrekte Position prüfen)

Das ergibt den Merksatz: Korrektes Fahren Geht Kinderleicht

Die Präsentation von TCS und Joie gibt es hier

 

Text: Eva Marti (Wonderland Switzerland AG)
Fotos: Stefan Fritschi (1), Joie (3)

 

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